Ungereimtheiten im Stadtmarketing
Auf meine Pressemitteilung “Dresden verschläft das Internet” habe ich viele Zuschriften erhalten. U.a. von der Dresden Tourismus GmbH, die mir die Veröffentlichung ausdrücklich genehmigt hat (s.u.). Es werden in dieser, aber auch in den heute erschienenen Zeitungsveröffentlichungen, überwiegend etatistische Gründe für Dresdens Dornröschenschlaf angeführt, d.h. solange es keine Budgets gibt, kann auch nichts getan werden. Facebook und twitter kosten ja auch extrem viel Geld….
Was mir nicht ganz klar wird, ist die Tatsache, warum für die Übersetzung des Internetauftritts kein Geld da ist, sich aber die Geschäftsleitung der DMG andererseits einen Tisch zum Sempernopernball gönnt, der nach meiner Information 20.000 Euro gekostet hat. Warum eine rauschende Ballnacht auf Kosten der Steuerzahler besser fürs Stadtmarketing sein soll, als unsere Gäste in ihrer Landessprache zu informieren, ist eine interessante Frage. Auf die Antwort dürfen wir gemeinsam gespannt sein.
Hier die Antwort der Dresden Tourismus GmbH (Lars Knüpfer):
….
bitte lassen Sie mich kurz auf Ihre PM mit dem Verschlafen des Internetzeitalters antworten. In Teilbereichen betrifft es die Arbeit der Dresden Tourismus GmbH. Meine Email geht in Kopie an Frau Dr. Bunge und Kai Schulz.
Geplanter neuer Themenbereich Tourismus:
Der Themenbereich Tourismus im städtischen Internetauftritt wird derzeit neu programmiert. Beauftragt ist die Agentur, die den städtischen Internetauftritt betreut. Es wird mit Hochdruck daran gearbeitet. Zugrunde liegt ein Konzept von uns, abgestimmt mit der LH DD. Die touristischen Seiten werden vertriebsorientierter, interaktiver und informativer. Auch mit Web2.0 Elementen. Der von uns betriebene touristische Marktplatz wird vollkommen neu eingebunden werden. Mitte zweites Quartal 2010 will die Agentur die umfangreichen Arbeiten abgeschlossen haben. Die Kosten für die Konzeption und Umstellungen finanzieren wir aus unseren Vertriebserlösen.
Mehrsprachigkeit im Themenbereich Tourismus:
Die DTG hat über die DMG für die Mehrsprachigkeit von www.Dresden.de/tourismus einen Förderantrag bei der TMGS eingereicht. Wir haben die Sprachen der Nachbarländer als auch Italienisch, Niederländisch, Russisch etc. beantragt. Gemäß einer Vorabinformation der TMGS wird wohl nur Russisch gefördert werden. Für die Umsetzung müssen wir Eigenmittel einbringen/einwerben. Wir werden das angehen! Um die Webseiten in den anderen Sprachen vorzuhalten bedarf es umfangreicher Marketingmittel. Ich halte es derzeit für unrealistisch, dass wir diese aus der Branche einwerben können bzw. aus unseren Vertriebserlösen quer finanzieren. Frau Dr. Bunge und ich wollten mit Vorliegen des Förderbescheides nochmals erfragen, warum
Marketing- und Projektmittel nur für Russisch gewährt werden. Da das SMWA nun eine FDP geführtes Ressort ist, wäre es sicher hilfreich, wenn wir hier alle Kontakte für das Erreichen unserer Ziele nutzen.
Apropos Mehrsprachigkeit:
Die Internationalität haben die DMG und wir auf der Agenda. Beispielsweise ist das neue von uns herausgegebene und finanzierte sehr umfangreiche Übernachtenverzeichnis vollständig in 6 Sprachen erschienen.
Twitter, soziale Netzwerke, etc.:
Maßnahmen wie einen Twitter-Account für Dresden werde ich mit Frau Dr. Bunge besprechen. Sofern die Umsetzung derartiger Projekte nicht innerhalb des städtischen Marketingplans enthalten ist, dann wollen wir hier die Verantwortung gern übernehmen. Wir müssen es jedoch auch finanzieren können.
Derzeit haben wir hierfür keine Mittelzuweisungen oder eine Co-Finanzierung aus der Branche bzw. einem Mix aus Beiden. Leider ist die Bereitschaft bei den Leistungsträgern, derartig allgemeine Dinge zu finanzieren, bei einzelnen wichtigen Akteuren noch nicht vorhanden. Wir arbeiten intensiv an einem Umdenken.
…..
wie in alten zeiten. immer schön die standards.
lesen die verantwortlichen eigentlich manchmal auch die banq.de-kolumnen???
um einfach mal auf andere ideen zu kommen? weitab vom marketinghandbuch?
argh!
@LarsKnoepfer, die Angelegenheit mit den “Kosten” für Twitter und die damit zusammenhängenden Aktivitäten ließen sich möglicherweise recht elegant lösen.
Da ließe sich durchaus etwas machen (mit Unterstützung so manches kreativen Dresdners).
Ein wenig Marketing läuft ja bereits auf http://twiDDern.de – und da geht noch mehr;-) Auf einen Versuch käme es an:-)
Ohhh Mann! Finanzierung, Förderung, Verantwortung…Blabla. Mehrsprachigkeit u Web 2.0 sind Basics, da darf nicht lange drumrumreden!!!
Die Frage, welchen Mehrwert ein Tisch beim Semper-Opernball für das Dresden-Marketing hat, der 20 Tsd. € gekostet haben soll, ist sehr berechtigt! Was kostet im Vergleich eine Verbesserung des Internetauftritts der Stadt Dresden, die dem Dresden-Marketing nachweislich nutzen würde? Hier sollten einfach mal die Zahlen gegenüber gestellt werden! Herr Knüpfer hat Stellung bezogen. Was sagt Frau Dr. Bunge zum Thema? Es wurde in Dresden die schlechte Arbeit der DWT beklagt und die Tatsache, dass es eine Vielzahl von Vereinen und parallel arbeitenden Institutionen gab. Die DWT ist liquidiert (eine Vielzahl von Mitarbeitern haben ihren Job verloren), entstanden sind (bis dato) die Dresden Marketing Gesellschaft (DMG), die Dresden Tourismus Gesellschaft (DTG), die Dresden Event Gesellschaft (DEG)! Z .Zt. sieht es danach aus, dass es zwar weniger Vereine gibt, die GmbH-Gründungen in der Branche aber zunehmen. Mehrwert? Derzeit erkennbar ist vor allem, dass es einen vermehrten Abstimmungsbedarf gibt und Budgetzuständigkeiten geklärt werden müssen, was die Zeitachse der Umsetzung streckt. Der Ruf nach Förderung könnte problematisch werden, wo doch die Landesregierung gerade mitgeteilt hat, dass die Tourismusförderung gekürzt werden soll. Sofern die Umsetzung und Finanzierung dann geklärt ist, sollten die Verantwortlichen nochmals den Artikel von Claudia Lord (BILD, Dresden, 22.12.2009) beherzigen „Mir gönn Säggsch, aber keen Englisch“! Man darf in der Tat gespannt sein, wie sich die Dinge in Dresden weiterentwickeln werden. Gespannt sein darf man auch auf das mehrfach versprochene, ganzheitliche Marketingkonzept von Seiten der DMG, das die Themenbereiche Wirtschaft, Wissenschaft, MICE, Tourismus, Kultur etc. gleichberechtig umfassen und abdecken sollte. Und was ist mit dem Auftrag, Dresden als Marke zu entwickeln? Die von der DMG gerade vorgestellten Themenjahre, m. W. eine Erfindung der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), sind ein probates Mittel in der Tourismuswerbung. Für die Markenentwicklung und -schärfung ist das eher hinderlich. Bisher betreibt die DMG primär Tourismuswerbung (kein Marketing!), eine Aufgabe, die sie parallel mit der DTG verfolgt. Immerhin: Die geplante Verschmelzung von Hotel e. V. und Dresden Convention Bureau (DCB) unter dem Dach des Tourismusverbandes jedenfalls ist so einmalig (unsinnig), dass Dresden zumindest in diesem Bereich überregionale Aufmerksamkeit in der Branche bekommen wird – auch ohne Internet!