Langsam wird es albern!
Als Spiegel Online vor einigen Wochen eine Monate zuvor nach nur zwei Tagen ordnungsgemäß deklarierte und für jedermann einsehbare Spende der Substantia AG an die FDP „enthüllte“, habe ich mich insgeheim gefragt, welcher FDP-Skandal diesem Meisterwerk des investigativen Journalismus als nächstes folgen würde.
 Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Unter der Überschrift „Heikle Nebeneinkünfte“ veröffentlichte SPON heute in pulitzerpreisverdächtiger Manier, dass Westerwelle wegen eines im April 2007 gehaltenen Vortrags „in Erklärungsnöte geraten“ könne. Hier irrt der Spiegel, denn das vergleichsweise bescheidene Honorar von € 7.000 wurde von Westerwelle ordnungsgemäß gegenüber dem Bundestagspräsidenten erklärt.
 Was die Sache für Spiegel-Online so „brisant“ macht, ist die Tatsache, dass er der Vortrag auf Einladung der LGT-Bank Schweiz hielt, einem Tochterunternehmen der LGT-Bank Liechtenstein, auf deren Konten auch das Geld deutscher Steuerflüchtlinge liegt. Das wurde zwar erst Monate nach dem Vortrag enthüllt (dieses Mal nicht durch den Spiegel), aber wen kümmern schon solche Details?
 Da es allein schon aufgrund des Schweizer Bankgeheimnisses unmöglich gewesen wäre, vor der Annahme dieser Einladung sämtliche Konten und die Herkunft der darauf liegenden Gelder zu überprüfen, hätte sich Westerwelle wohl grundsätzlich weigern müssen, überhaupt Vorträge in der Schweiz zu halten. Auch auf die Gefahr hin, dann von den gleichen Leuten, die jetzt über die Brisanz dieses Vortrages orakeln, als arrogant und latent rassistisch gegenüber unseren eidgenössischen Nachbarn kritisiert zu werden.
 Man darf gespannt sein, was der Spiegel als nächstes „enthüllt“. Ist Westerwelle womöglich in einem Hotel abgestiegen, in dem auch ein gemeiner Waffenschieber übernachtet hat? Hat er vor einem Haus geparkt, in dem ein berüchtigter Bombenbastler wohnt? Kauft er seine Anzüge beim gleichen Herrenausstatter wie Zumwinkel? Saß er in der Schule neben einem stadtbekannten Schwarzfahrer? Hat er ein Frühstücksei aus Käfighaltung verspeist?
 Der Spiegel wird schon etwas finden. Es muss nur lange genug zurückliegen
Nur eine Korrektur: das Honorar lag nicht bei 7.000 € sondern bei mindestens 7.000 €, da die Angaben beim Bundestag nur in Einkommensklassen erfolgen, die für Einzelhonorare bei 7.000 € enden.