Der sächsische Darkroom – Dresden auf der ITB
Jedes Jahr im März trifft sich die Branche zur Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin. In den Messehallen präsentieren sich neben touristischen Unternehmen und deren Zulieferern hauptsächlich Destinationen, Regionen und Länder. Bis vor einigen Jahren waren wir als „Unteranschließer“ am Stand Dresdens vertreten, das zuletzt sehr wirkungsvoll mit den beiden Engeln auf dem Bild der Sixtinischen Madonna als Sympathieträger und dem Slogan „See you in Dresden“ warb. Flankiert wurde dies durch eine entsprechende Merchandising-Schiene. Dieser Stand wurde von der Dresdner Hotellerie kofinanziert.
Vor einigen Jahren traf die Tourismus-Marketinggesellschaft Sachsen den Entschluss, dass sich alle Regionen Sachsens mehr oder minder gleichberechtigt unter Federführung der TMGS zu präsentieren hätten.
Dies war von Anfang an keine sehr glückliche Idee, da Dresden im sächsischen Tourismus das Zugpferd ist und die umliegenden Urlaubsregionen ohne diesen Anziehungspunkt allenfalls Naherholungsgebiete wären. Besucher des Sächsischen Hauses in Vancouver berichten unisono, dass man dort mit „Saxony“ reichlich wenig, dafür aber mit Dresden umsomehr anfangen konnte.
Als ich dieses Mal die Halle 11.2 betrat, vermutete ich zunächst einen Stromausfall. Wäre der Auftritt Sachsens in der Hallenmitte nicht durch helle und farbenfrohe Auftritte Thüringens und Sachsen-Anhalts flankiert gewesen, hätte man innerhalb des in freundlichem Frühlingsschwarz gehaltenen sächsischen Hallenbereichs die Hand vor Augen nicht gesehen. Der Begriff „Dunkeldeutschland“ erhält durch diese Gestaltung eine völlig neue Bedeutung. Flankiert wurde diese Finsternis durch hühnerstallartig aufgereihte Counter, deren schwer im Vorbeigehen zu entziffernde Stehlen die Unübersichtlichkeit dieses Gestaltungsdesasters vervollständigten.
Eine allgemeine Eintrübung des Inlandstourismus ist übrigens nicht zu verzeichnen – und im Gegensatz zur sächsischen Frühjahrsdepression herrschte in den anderen Hallen auch reges Treiben und gute Stimmung. Die gelangweilten und desinteressierten Gesichter hinter der Countern sind wohl eher auf die Tatsache zurückzuführen, dass mehrtägige Aufenthalte in Dunkelkammern nur sehr bedingt zur Mitarbeitermotivation taugen.
Der Grundgedanke des mit „Saxony on Stage“ betitelten Auftritts war die Darstellung aller Regionen mit einem prominenten Musikthema. Das wäre an sich eine gute Idee gewesen, hätte sich jeder daran gehalten. Die Landeshauptstadt Dresden präsentierte sich z.B. stattdessen mit dem wahnsinnig originellen Slogan „Kommen Sie Kunst geniessen“. Angesichts dramatisch ansteigender Bettenkapazitäten kann man nur hoffen, dass möglichst viele Messebesucher diesem Imperativ Folge leisten und bei uns nicht bald das Licht genauso ausgeht wie bei unserem Messeauftritt.
Die gute Nachricht kommt wie immer zum Schluss: Sollte sich die TMGS in Zukunft für eine freundlichere und einladendere Gestaltung entscheiden, wäre der aktuelle Messeauftritt keine sinnlose Verschwendung von Steuermitteln. Er ließe sich problemlos und ohne große Umgestaltungskosten in einem der sächsischen Schauspielhäuser als modernes Bühnenbild für Dantes Inferno wiederverwenden.
Ein durchaus zutreffender Beitrag. Zugute halten muss man der Standkonzeption aber, dass sie den Durchfluss der Menschenströme baubedingt so verlangsamte, dass auch diejenigen auf Sachsen aufmerksam werden mussten, die ein anderes Ziel anstrebten. Schon während der Fachbesuchertage kam es zu (gewollten?)Staus. Das wenige Licht hat diese Situation noch verstärkt. Hoffentlich haben die sächsischen Marketingorganisationen die ITB wenigstens dazu genutzt, gemeinsam intensive Gespräche mit der in der benachbarten Halle 12 befindlichen Deutschen Bahn zu führen um der geplanten Verbindungsausdünnung entgegen zu wirken(http://nachrichten.lvz-online.de/nachrichten/mitteldeutschland/heftige-kritik-an-einschnitten-im-fernverkehr–tillich-fordert-plaene-ueberdenken/r-mitteldeutschland-a-21222.html), oder haben sich die Marketingprofis schon ihrem Schicksal ergeben und wollen mit dem Schwarz nur noch ihre Trauer zum Ausdruck bringen?