Nassauer in Nadelstreifen

Aktives Destinationsmarketing gehört zu den kommunalen Aufgaben. Ist es erfolgreich, bezahlt es sich von selbst: Durch die Ansiedlung von Unternehmen, den Zuzug von Fachkräften, durch Investitionen und als attraktiver Studiums- und Ausbildungsstandort.

Dies hat mit einiger Verspätung auch Dresden erkannt und mit der Gründung der Dresden Marketing GmbH die richtigen Strukturen geschaffen, die Marke Dresden international zu etablieren.

Beim Tourismusmarketing als Teil des Destinationsmarketings verhält es sich ein wenig anders. Zwar erzielt die Kommune auch hier im Wege der Umwegrentabilität Einnahmen. Da aber die touristischen Leistungsträger überproportional vom Tourismusmarketing profitieren, ist es üblich und auch angemessen, dass dieser Bereich aus der Wirtschaft kofinanziert wird. In den meisten Städten beteiligen sich alle Nutznießer des Tourismus finanziell daran. Neben der Hotellerie, die gut ein Drittel der durch den Tourismus fließenden Gelder vereinnahmt, leisten auch die Gastronomie, der Handel, die Taxiinnung, etc. ihren Beitrag, in deren Kassen immerhin 70% der Erlöse landen. In Dresden ist das bislang bedauerlicherweise nicht gelungen. Hier beteiligt sich traditionell nur die Hotellerie.

Und neuerdings trifft auch das nur noch auf einen Teil unserer Branche zu. Nach der Liquidation der Dresden Werbung und Tourismus GmbH sind nahezu alle großen Innenstadthotels aus den Verbänden ausgetreten, über die die Zuschüsse für das Tourismusmarketing geflossen sind.

Die Zusage, sich wieder zu beteiligen, sobald belastbare Strukturen geschaffen sind, war offensichtlich eine Finte. Inzwischen haben die Kollegen in der Innenstadt wohl erkannt, dass man auch ohne eigenes Dazutun vom Tourismusmarketing profitiert. Also lehnt man sich bequem in den Ledersessel und lässt die Kollegen und den Steuerzahler für sich aufkommen.

Als Konzernhotelier hat man am jeweiligen Standort eine Halbwertszeit von 2-3 Jahren. Da sind ein paar Tausend Euro Ersparnis im Marketingbudget interessanter als die langfristige Entwicklung des Standortes. Ob die Hotelketten, die meistens durch langfristige Verträge gebunden sind, dies ebenso sehen, wage ich zu bezweifeln.

Wirtschaftsbürgermeister Hilbert hat in seinem gestrigen SZ-Interview zu Recht darauf hingewiesen, dass der fortgesetzte Wortbruch der Innenstadthotels der unsäglichen SPD-Forderung nach einer Zwangsabgabe Zulauf bescheren könnte. Damit würde aber die ganze Branche für die Ignoranz einiger weniger bestraft. Andererseits ist es den Dresdnern nicht vermittelbar, dass sie zwar einerseits ohne Gegenleistung das Marketing für Nobelherbergen finanzieren sollen, für Schulsanierungen oder die Betreuung von Obdachlosen aber kein Geld da ist.

Die Stadt sollte ihre Zuschüsse zum Tourismusmarketing so lange einfrieren, bis sich wieder alle Hotels daran beteiligen. Bleibt zu hoffen, dass die Nassauer in Nadelstreifen bald weiterziehen und durch Kollegen ersetzt werden, die sich auch ihrer Verantwortung für den Standort Dresden bewusst sind.

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